Call for Papers ÖRF 2027/2: Religionsunterricht in Österreich

Call for Papers ÖRF 2027/2: Religionsunterricht in Österreich

2026-06-01

Der Religionsunterricht in Österreich ist konfessionell gebunden und wird gemeinsam von gesetzlich anerkannten Kirchen bzw. Religionsgesellschaften sowie dem Staat organisiert. Dieses Modell verbindet seit 1949 eine religionsgemeinschaftliche Verankerung mit hoher gesellschaftlicher Relevanz, steht jedoch zunehmend unter Veränderungsdruck: Religiöse Pluralisierung bei zugleich abnehmender religiöser Sozialisation, steigende Zahlen konfessionsloser Schüler:innen sowie damit verbundene organisatorische Herausforderungen im Schulalltag und nicht zuletzt ein Rückgang von Religionslehrpersonen erzeugen wachsende Spannungsverhältnisse. Anfragen und Herausforderungen an die gegenwärtige Konzeption schulischen Religionsunterrichts stellen sich auch auf einer konzeptuellen Ebene. Zugleich gewinnen kooperative Unterrichtsformate an Bedeutung, ohne dass deren Verhältnis zum konfessionellen Religionsunterricht hinreichend geklärt ist.

Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen nach zukünftigen Konzepten des Religionsunterrichts in Österreich mit besonderer Dringlichkeit. Für diese ist wiederum eine differenzierte Bestandsaufnahme eine unabdingbare Voraussetzung. Diese ÖRF-Schwerpunktausgabe widmet sich daher einer Beschreibung und Standortbestimmung der aktuellen rechtlichen, organisatorischen, konzeptionellen und didaktischen Verankerung des konfessionellen Religionsunterrichts in Österreich und zielt darauf ab, möglichst unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Von besonderem Interesse sind Analysen zur Bedeutung religiöser Bildung in einer pluralen Gesellschaft, zum gegenwärtigen konfessionellen Modell sowie zu seiner Weiterentwicklung, zu Formen interkonfessioneller und interreligiöser Kooperation sowie zu Professionalisierungsprozessen von Religionslehrpersonen in Aus-, Fort- und Weiterbildung. Ebenso erwünscht sind vergleichende Perspektiven, die den österreichischen Kontext in internationale Diskurse einordnen.

Mögliche Fragestellungen sind unter anderem:

  • Wie lässt sich der gegenwärtige Status quo des Religionsunterrichts in Österreich beschreiben und welche zentralen Herausforderungen ergeben sich daraus für seine zukünftige Entwicklung?
  • Wie kann religiöse Bildung unter der Bedingung abnehmender religiöser Praxis bzw. begrenzter religiöser Sprachfähigkeit (sowohl bei Schüler:innen als auch bei Lehrpersonen) gestaltet werden?
  • Wie wird ‚Konfessionalität‘ im Religionsunterricht an der österreichischen Schule verstanden und welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für interkonfessionelle und interreligiöse Kooperationsformen?
  • Welche Anforderungen stellen sich gegenwärtig für die Professionalisierung von Religionslehrpersonen in Aus-, Fort- und Weiterbildung?
  • Welche Bedeutung haben formale Anstellungserfordernisse (z. B. missio canonica, vocatio) heute noch und wie verändert sich das Berufsfeld durch alternative Zugänge (z. B. Quereinstieg, berufsbegleitende Studienformen)?
  • Wie stellt sich die Situation von Theologie- bzw. Lehramtsstudierenden im Hinblick auf das Unterrichtsfach Religion dar, insbesondere im Kontext rückläufiger Studienzahlen?
  • Wie wird die Organisation des Religionsunterrichts aus der Perspektive von Schulleitungen und Fachaufsicht wahrgenommen und gestaltet?
  • Wie wird mit ‚religiösen Übungen‘ in der schulischen Praxis umgegangen und welche Bedeutung kommt ihnen im Schulleben zu?
  • Welche spezifischen Aspekte zeigen sich im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen und an sogenannten ‚Sonderformen‘ (z. B. Berufsbildende mittlere und höhere Schulen, Berufsschulen, Bildungsanstalten für Elementarpädagogik)?
  • Inwiefern ist der Religionsunterricht als ein regional, altersspezifisch und schultypenspezifisch heterogenes Unterrichtsfach zu verstehen?
  • Welche religions- und staatskirchenrechtlichen Rahmenbedingungen prägen den konfessionellen Religionsunterricht in Österreich (noch) und wie wirken sich diese auf seine konkrete Ausgestaltung aus?
  • Wie gestaltet sich das Verhältnis von Religionsunterricht und Katechese, insbesondere im Spannungsfeld von religiöser Bildung und religiöser Praxis?
  • Wie lassen sich offizielle Dokumente der Kirchen bzw. Religionsgesellschaften in den religionspädagogischen Diskurs einordnen und kritisch reflektieren (z. B. Positionspapier der Österreichischen Katholischen Schulamtsleiterkonferenz)?
  • Wie gestaltet sich das Verhältnis von Religionsunterricht und Ethikunterricht fünf Jahre nach Einführung des Ethikunterrichts als Pflichtgegenstand in der Sekundarstufe II?
  • Wie wird der Religionsunterricht im Kontext aktueller bildungspolitischer Diskussionen verhandelt und bewertet?
  • Welche subjektiven Theorien über den Religionsunterricht liegen bislang von Religionslehrpersonen und Schüler:innen vor und welche Forschungsdesiderate bestehen in diesem Zusammenhang?
  • Welche Bedeutung haben berufsbiografische Erfahrungen von Religionslehrpersonen für die Gestaltung des Religionsunterrichts?
  • Welche Perspektiven bringen Eltern sowie weitere schulische und gesellschaftliche Akteur:innen in die Diskussion um den konfessionellen Religionsunterricht ein?
  • Inwiefern trägt der Religionsunterricht zur Stabilisierung oder Verstärkung von machtförmigen Mehrheits- und Minderheitskonstellationen im schulischen Kontext bei?

Wir laden herzlich dazu ein, Beiträge zur Thematik zu verfassen und für die Ausgabe des Österreichischen Religionspädagogischen Forums einzureichen, die im Herbst 2027 erscheinen wird.

Wir bitten Sie, uns die Ankündigungen Ihres Beitrages (Abstract) zur Thematik der Ausgabe bzw. auch über das Thema hinausgehende Texte (unter „weitere wissenschaftliche Beiträge“ zu veröffentlichen) und an folgende Mail-Adresse zu senden: oerf.redaktion@uni-graz.at. Sie erhalten nach einer formalen und inhaltlichen Erstkontrolle daraufhin eine Rückmeldung. Wenn Sie ein positives Feedback von uns erhalten haben und ihr Beitrag fertiggestellt ist, laden Sie diesen für die Einleitung des Peer-Review-Verfahrens bitte selbstständig auf unserer Website hoch: http://oerf-journal.eu/.

Wir bitten ebenso um die Bekanntgabe von Publikationen, die in letzter Zeit entstanden sind und die rezensiert werden sollten, sowie um Kurzbeschreibungen sehr guter wissenschaftlicher religionspädagogischer Qualifizierungsarbeiten an den verschiedenen Standorten (Master- oder Diplomarbeiten…)!

Das ÖRF veröffentlicht ausschließlich Originalbeiträge. Die Hauptbeiträge durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren. Den Ablauf zur Einreichung sowie alle entsprechenden Formalia finden Sie auf unserer Homepage: http://oerf-journal.eu/.

Wir bitten dringend, die Manuskriptrichtlinien genau einzuhalten!

Verantwortlich für die inhaltliche Konzeption dieser Ausgabe:

Univ.-Prof. Dr. Martin Rothgangel, Universität Wien

Mag. Harald Trummer, Universität Graz

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Weirer, Universität Graz

Zeitplan

Vorschläge für Beiträge erbitten wir bis: 29. Jänner 2027

Abgabetermin aller Beiträge für das Peer-Review-Verfahren: 19. März 2027

Abgabetermin für Rezensionen und Qualifikationsarbeiten: 28. Mai 2027

Erscheinungsdatum: Herbst 2027

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