Ruth C. Cohn die ‚Friedenspädagogin‘.: ‚Gucklöcher‘ in ihren geistigen Nachlass.

Ruth C. Cohn die ‚Friedenspädagogin‘.

‚Gucklöcher‘ in ihren geistigen Nachlass.

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.25364/10.32:2024.1.6

Schlagworte:

Ruth C. Cohn, Themenzentrierte Interaktion (TZI), Lebendiges Lernen, Friedengespräche, Friedensengagement, Nachlass

Abstract

Die deutsch-jüdische Poetin, Psycho- und Gesellschaftstherapeutin Ruth C. Cohn (1912–2010) ist den meisten (Religions-)pädagog*innen als Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI) bekannt. Sie verbinden mit ihr das Konzept des ‚Lebendigen Lernens‘, das seit den 1980iger Jahren auch in die Religionspädagogik Einzug gehalten hat.[1] Wesentlich unbekannter ist ihre Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden. Sie wirkt weiter, indem sich seit Ausbruch des Russland-Ukrainekrieges Menschen aus unterschiedlichen Berufsfeldern zu monatlichen virtuellen ‚Friedensgesprächen‘ treffen. Cohns Friedensengagement wird in seinem ganzen Ausmaß erst aus ihrem umfangreichen Nachlass sichtbar, der inzwischen im Archiv der Humboldt Universität zu Berlin archiviert ist.[2]  

 

[1] Vgl. u.a. Biesinger, Albert: Lebendiges Lernen in der Katechese. Hoffnungsversuche in Schule und Gemeinde, in:  Christlich-pädagogische Blätter 97/1 u. 2 (1984), 223–226; Garmaz, Jadranka / Scharer, Matthias: "UCENJE" VJERE Kako osmisliti i voditi proces ucenja vjere? Komunikativnoteoloska koncepcija, Zagreb: Glas Kincilla 2014; Ebrahim, Ranja: „Schülerinnen und Schüler im Diskurs mit dem Qur’ān: Chancen und Grenzen für einen zukunftsorientierten islamischen Religionsunterricht. Ein Handlungskonzept zum themenzentrierten Arbeiten anhand der Offenbarungsanlässe (asbāb an-Nuzūl)“, Wien: 2018 (= Dissertation Universität Wien); Juen, Maria: Die ersten Minuten des Unterrichts. Skizzen einer Kairologie des Anfangs aus kommunikativ-theologischer Perspektive, Wien: Lit 2013; Scharer, Matthias: Thema–Symbol–Gestalt. Religionsdidaktische Begründung eines korrelativen Religionsbuchkonzeptes auf dem Hintergrund themen- (R.C.Cohn)/symbolzentrierter Interaktion unter Einbezug gestaltpädagogischer Elemente, Graz: Styria 1987; Ders.: Leben, glauben lernen – lebendig und persönlich bedeutsam: Handbuch zu „Miteinander glauben lernen“, Salzburg: Otto Müller 1988; Ders.: Religion unterrichten lernen. Das Innsbrucker Modell, in: Isenberg, Wolfgang (Hg.): Kompetenz für die Praxis? Innovative Modelle der Religionslehreraus- und -fortbildung. Bensberger Protokolle, Bergisch Gladbach: Thomas-Morus-Akademie Bensberg 2000, 55–68; Sejdini, Zekirija / Kraml, Martina / Scharer, Matthias: Mensch werden. Grundlagen einer interreligiösen Religionspädagogik und -didaktik aus muslimisch-christlicher Perspektive, Stuttgart: Kohlhammer 2017, 85–101.

[2] Der Nachlass umfasst ca. 93000 Blätter und wurde zwischen 2016–2022 von Michaela und Matthias Scharer am Archiv der Humboldt Universität zu Berlin archiviert. Das Findbuch (Printausgabe 347 Seiten) liegt im Archiv, im Jüdischen Museum Berlin und an der Geschäftsstelle des Ruth Cohn Institute for TCI-international zur Einsicht auf. Es enthält neben der Einführung in den Nachlass (27 Seiten) auch ein Verzeichnis der von Michaela Scharer gescannten Dokumente (ca. ein Viertel des Bestandes), die über das Berliner Archiv abrufbar sind. Ein reduziertes Verzeichnis (u.a. ohne Angabe der Scans) ist digital zugänglich unter: https://www.archiv-hu-berlin.findbuch.net/php/main.php#4e4c20436f686e (nachgesehen am 15.12.2023). Das Einzelblattverzeichnis weist folgende Signatur auf: HU UA (Humboldt Universität Universitäts Archiv) NL Cohn (Nachlass Cohn) Nr. (Nummer des jeweiligen Konvoluts), Bl. (Blatt).

Autor/innen-Biografie

Matthias Scharer, Universität Innsbruck

Dr. Matthias Scharer, em. o. Univ.-Prof. für Katechetik und Religionspädagogik an der Universität Innsbruck; Lehrbeauftragter des Ruth Cohn Institute for TCI – international.

 

em.o.Univ.-Prof. Dr. Matthias Scharer

Sillgasse 5

A-6020 Innsbruck

e-mail: matthias.scharer(at)uibk.ac.at

Literaturhinweise

BIESINGER, Albert: Lebendiges Lernen in der Katechese. Hoffnungsversuche in Schule und Gemeinde, in: Christlich-pädagogische Blätter 97/1 u. 2 (1984), 223–226.

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COHN, Ruth C.: Wissenschaftler und andere - was kann ich / was können wir für den Frieden sein und tun?, in: COHN, Ruth C. / KLEIN, Irene: Großgruppen gestalten mit Themenzentrierter Interaktion. Ein Weg zur lebendigen Balance zwischen Einzelnen, Aufgaben und Gruppe, Mainz: Grünewald 1993, 26–51.

EBRAHIM, Ranja: „Schülerinnen und Schüler im Diskurs mit dem Qur’ān: Chancen und Grenzen für einen zukunftsorientierten islamischen Religionsunterricht. Ein Handlungskonzept zum themenzentrierten Arbeiten anhand der Offenbarungsanlässe (asbāb an-Nuzūl)“, Wien: 2018 (= Dissertation Universität Wien).

GARMAZ, Jadranka / SCHARER, Matthias: "UCENJE" VJERE Kako osmisliti i voditi proces ucenja vjere? Komunikativnoteoloska koncepcija, Zagreb: Glas Kincilla 2014.

JUEN, Maria: Die ersten Minuten des Unterrichts. Skizzen einer Kairologie des Anfangs aus kommunikativ-theologischer Perspektive, Wien: LIT 2013.

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SCHARER, Matthias: Thema–Symbol–Gestalt. Religionsdidaktische Begründung eines korrelativen Religionsbuchkonzeptes auf dem Hintergrund themen- (R.C.Cohn)/symbolzentrierter Interaktion unter Einbezug gestaltpädagogischer Elemente, Graz: Styria 1987.

SCHARER, Matthias: Leben, glauben lernen – lebendig und persönlich bedeutsam: Handbuch zu „Miteinander glauben lernen“, Salzburg: Otto Müller 1988.

SCHARER, Matthias: Religion unterrichten lernen. Das Innsbrucker Modell, in: ISENBERG, Wolfgang (Hg.): Kompetenz für die Praxis? Innovative Modelle der Religionslehreraus- und -fortbildung. Bensberger Protokolle, Bergisch Gladbach: Thomas-Morus-Akademie Bensberg 2000, 55–68.

SCHARER, Matthias unter Mitarbeit von Michaela SCHARER: Ruth C. Cohn. Eine Therapeutin gegen totalitäres Denken, Ostfildern: Patmos 2020.

SCHARER, Matthias in Zusammenarbeit mit Michaela SCHARER: Vielheit couragiert leben. Die politische Kraft der Themenzentrierten Interaktion (Ruth C. Cohn) heute, Ostfildern: Grünewald 32021.

SCHULZ VON THUN, Friedemann, Laudatio auf Ruth Cohn. Anläßlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch den Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg am 30. November 1979, Manuskript, HU UA, NL Cohn, Nr. 340, Bl. 1.

SEJDINI, Zekirija / KRAML, Martina / SCHARER, Matthias: Mensch werden. Grundlagen einer interreligiösen Religionspädagogik und -didaktik aus muslimisch-christlicher Perspektive, Stuttgart: Kohlhammer 2017, 85–101.

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SÖLLE, Dorothee: Zu Ruth Cohns Gedichten, HU UA, NL Cohn Nr. 260c, Bl. 31–32.

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Veröffentlicht

2024-05-16

Zitationsvorschlag

Scharer, M. (2024) „Ruth C. Cohn die ‚Friedenspädagogin‘.: ‚Gucklöcher‘ in ihren geistigen Nachlass“., Österreichisches Religionspädagogisches Forum, 32(1), S. 91–105. doi: 10.25364/10.32:2024.1.6.
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