Postkoloniale Studien sind als eine Ansammlung von verschiedenen Theorien und Praktiken der Offenlegung und Bearbeitung kolonialer Verhältnisse zu verstehen. Dabei gibt es im Wesentlichen zwei Stränge: jener, der sich mit der Aufarbeitung ehemaliger Kolonialgeschichte beschäftigt, und jener, der koloniale Denkformen und hegemoniale Verhältnisse in lokalen Formen der Wissensproduktion aufdeckt und zu transformieren sucht.

Sie bieten ein Instrumentarium, um machtvolle Wissensbestände und Praktiken zu dekonstruieren, alternative Wissensformen zu re-formulieren und widerständige Aushandlungsprozesse zu ermöglichen. Seit etwa zwei Jahrzehnten werden sie in unterschiedlichen theologischen Teildisziplinen rezipiert. In diesem Themenheft wollen wir vor allem die religionspädagogische Rezeption sichtbar machen und erschließen, was postkoloniale Studien und Theorien der Religionspädagogik eintragen können, worin aber auch ihre Grenzen wahrgenommen werden. Leitend für Einreichungen, die sich von diesen Theorien inspirieren lassen oder sich konstruktiv-kritisch mit ihnen auseinandersetzen, können folgende Fragestellungen sein:

 

* Worin besteht das Potenzial postkolonialer Theorien und Studien und wo lässt sich Kritik anbringen?

* Welche Epistemologie und Praktiken liegen religiösen Bildungsprozessen zugrunde?

* Wer sind ‚die Anderen‘ gegenwärtiger europäisch bzw. westlich geprägter Religionspädagogik und wie wird über sie gesprochen? (Wo und wie) Finden Othering-Prozesse statt?

* Welche marginalisierten oder verschwiegenen Narrative und Wissensbestände müssen im Kanon religiöser Bildung re-formuliert werden?

* Welche Formen des Widerstands gegen hegemoniale und ungerechte Verhältnisse lassen sich erschließen und fruchtbar machen?

* Wo lassen sich Zwischenräume der Aushandlung von Subjektpositionen, Wissensbeständen und sozialen Verhältnissen entdecken?

* Inwiefern kann in der Professionalisierung künftiger Lehrender für machtvolle Diskurse und Praktiken sensibilisiert werden?

* Wie kann die Agency aller an religiöser Bildung beteiligten Subjekte gestärkt werden?

* Inwiefern kann mit und in der Religionspädagogik aus postkolonialer Perspektive die Landkarte der Theologie neu vermessen werden?

 

Wir laden herzlich dazu ein, Beiträge speziell zur Thematik dieses Heftes bzw. auch über das Thema hinausgehende Beiträge zu verfassen und für die nächste Ausgabe des ÖRF einzureichen, die im Mai 2023 erscheinen wird.

Wir bitten Sie, uns die Ankündigungen Ihres Beitrages (Abstract) an folgende Mail-Adresse zu senden: oerf.redaktion@uni-graz.at. Sie werden daraufhin eine kurze Rückmeldung von uns erhalten.

 

Sobald Ihr Beitrag abgabefertig ist, laden Sie diesen bitte selbstständig auf unsere Website hoch: http://oerf-journal.eu. Melden Sie sich dafür bei der Plattform an und wählen Sie ‚Neue Einreichung‘ aus. Sollten diesbezüglich Fragen auftreten, wenden Sie sich an oerf.redaktion@uni-graz.at oder wolfgang.weirer@uni-graz.at.

 

Wenn Sie im Zeitraum von 2017–2022 einen Beitrag für das ÖRF erstellt haben, wurden Sie auf der Plattform bereits erfasst. Sollten Sie Ihr Benutzer*innenkonto vergessen haben, melden Sie sich bitte per Mail noch vor der 'Neuen Einreichung' bei oerf.redaktion@uni-graz.at. Sie erhalten von uns Ihren Zugang zur Plattform.

 

Wir bitten ebenso um die Bekanntgabe von Publikationen, die in letzter Zeit entstanden sind und die rezensiert werden sollten, sowie um Kurzbeschreibungen sehr guter wissenschaftlicher religionspädagogischer Qualifizierungsarbeiten an den verschiedenen Standorten (Master- oder Diplomarbeiten …).

 Wir bitten dringend, die Manuskriptrichtlinien zu beachten!

 

Zeitplan

Vorschläge für Beiträge erbitten wir bis: 28. Oktober 2022
Abgabetermin aller Beiträge für das Peer-Review-Verfahren: 22. Dezember 2022
Abgabetermin für Rezensionen und Qualifikationsarbeiten: 17. Februar 2023
Erscheinungsdatum: Mai 2023